Der Bodenseeradweg in vier Tagen

06 September 2017
von Monika Läufle, Reisejournalistin
www.dieallgäuerin.de
Die wichtigste Lektion: Zeit lassen!

„Wirklich nur drei Tage?“, fragt Markus überrascht, als ich ihm mitteile, dass mir das reicht, um um den Bodensee zu radeln. 80 km am Tag bin ich zuvor schon geradelt. Da schaffe ich die 270 Kilometer locker in drei Tagen, versuche ich ihn zu überzeugen. „Aber trotzdem! Sie können ja weniger radeln und dafür mehr ansehen,“ versucht er es nochmals, „den Pfänder, die Altstadt von Konstanz, das Pfahlbau-Museum – wir vom Internationalen Bodensee-Tourismus-Team empfehlen vier bis sieben Tage.“

Schließlich lasse ich mich überreden und hänge einen vierten Tag an. Gebraucht hätte ich diesen zusätzlichen „Anreisetag“ nicht, denke ich überheblich, als ich das Fahrrad am späten Nachmittag aus dem Zug hieve. Die etwas mehr als zehn Kilometer von Lindau nach Bregenz, die ich am ersten Tag vor mir habe, hätte ich locker am zweiten Tag abstrampeln können.

Kaum trete ich in die Pedale und sehe das Bodenseeufer direkt neben mir, verstehe ich, was Markus mir sagen wollte: Auf dem Bodenseeradweg ist der Weg das Ziel. Wie dumm ich doch war! Ich könne mir wirklich in den Hintern beißen. Strandbäder, Eiscafés und Minigolfplätze ziehen an mir vorbei. Aber nein! Absteigen kann ich nicht, weil ich meine Kilometer schaffen muss. Die Bregenzer Festspielbühne, die Pfänderbahn, einen Abstecher zum Rheinfall, die wunderschönen Altstädte von Lindau oder Meersburg, das Zeppelin Museum – ich mag gar nicht daran denken, was mir alles entgeht!

Am dritten Tag hat mein Körper ein Einsehen. Ich werde krank. Gottseidank nicht so krank, dass ich die Tour abbrechen muss. Doch ich bin so lasch, dass ich die geplanten 80 km nicht radeln kann. Wunderbar, denke ich mir. Das ist meine Ausrede länger an einem Ort zu bleiben. Ich verbringe den Tag in Konstanz. Trinke in der Altstadt in den Straßencafés einen Tee nach dem anderen und genieße es, einfach nichts zu tun.

Unbewusst hat Markus für den Fall vorgesorgt. Er hat mir verschiedene Routen herausgesucht. Statt um den Untersee und den Überlinger See zu radeln, kann ich auch, hat er mir auf mein Routenplan geschrieben, die zehn Kilometer zum nächsten Hafen radeln und mit dem Schiff nach Überlingen fahren. Auf dem Schiff denke ich mir, dass es ein Glücksfall war, krank zu werden. Sonst wäre ich nicht Schiff gefahren. Und das am Bodensee! Das wäre ein Unding gewesen! 

Am vierten Tag komme ich wieder in Lindau an. Den ganzen Bodensee habe ich nicht umrundet. Schlimm finde ich das nicht. Jetzt habe ich eine „Ausrede“ wiederzukommen. Und das nächste Mal befolge ich Markus Rat und lasse mir mehr Zeit!

 

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